Flitterjahr Liane & Florian

Wo stecken die beiden eigentlich gerade?

Mit der Wild Group zum Machu Picchu

24. Oktober 2011 | Allgemein, Peru

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Morgens um 4:50 Uhr kommen wir am Busterminal von Cusco an und lassen uns mit dem Taxi zum „Samay Wasi 1 Hostel“ fahren, ein Tipp aus dem Buch im Café in Copacabana. Wir dürfen für umsonst im Dorm noch drei Stunden schlafen und ein tolles Frühstück mit frisch gepresstem O-Saft kriegen wir sogar auch! Da die Sonne scheint, setzen wir uns auf die Terrasse mit tollem Blick auf Cusco. Dort unterhalten wir uns noch eine Weile mit Sandra und Yohannes, zwei Kölnern, die ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs sind. Wir tauschen ein paar Tipps aus. Die beiden haben eine „Jungle-Machu-Picchu-Tour“ gemacht (die Aktion-Variante mit Fahrradfahren, Wandern, Abseilen, etc.) bei James in unserem Hostel gebucht und sind sehr zufrieden. Wir sind uns noch nicht sicher, welche Route wir machen wollen. Den Inka-Trail oder den Salkantay-Trek. Hört sich beides super an! Für den „Original-Inka-Trail“ braucht man ein spezielles Permit (es dürfen pro Tag max. 500 Leute inkl. den Guides und Trägern drauf). Das haben wir natürlich nicht, aber evtl. können wir freie Plätze vom Touranbieter „Wayki Trek“ übernehmen, da dort zwei Leute gecancelt haben. Dazu müssen wir zum „Instituto National de Cultura“ und versuchen, die Namen umschreiben zu lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir sind stundenlang kreuz und quer durch die Stadt geschickt worden, ohne dass irgendwer „zuständig“ war. Schließlich haben wir aufgegeben und uns für die Alternativ-Route über den Salkantay entschieden, da sind dann vermutlich auch viel weniger Leute unterwegs. Abends gehen wir noch ins Restaurant „Sumoq“ gleich um die Ecke eine Pizza essen. Eigentlich gibt’s noch einen Pisco Sour (das Nationalgetränk) für umsonst dazu, auf den wir uns echt gefreut haben. So zum Frust wegspülen. Aber heut ist wohl nicht unser Tag, sie haben keinen Pisco mehr! Wir beschließen schlafen zu gehen und den Tag abzuhaken.

Heute treffen wir uns mit James. Er erzählt uns einiges zu dem Salkantay-Trek. Ein Freund von ihm ist Guide und hat seine eigene Agentur, am Montag soll‘s losgehen. Da wir viel Wert darauf legen, direkt bei der Agentur zu buchen, die dann auch die Wanderung durchführt, akzeptieren wir auch den genannten Preis, der ein kleines bisschen teurer ist, aber immer noch vollkommen ok für 5 Tage mit allem drum und dran. Er klärt alles ab und abends kommt sogar noch der Guide „Walter“ vorbei um uns Details zu erzählen, wie das Programm aussieht und was wir mitbringen sollen. Mittags laufen wir in die Stadt und gehen knusprige Hähnchen essen, hier gibt es auch die von Florian geliebte „Inca-Kola“, ein mega-süßes gelbes Getränk. Schmeckt ein bissle wie „Red Bull“. Heute ist Faulenz-Tag, wir haben Bock auf gar nix! Nachdem der Guide nochmal da war und uns noch die Schlafsäcke gebracht hat, kucken wir einen Film an und gehen schlafen.

Heute ist Sonntag und wir ruhen uns aus um uns physisch und psychisch auf die folgenden 5 Tage einzustimmen. Mittags sitzen wir auf der Terasse und plötzlich hören wir Böllerschüsse und Blasmusik?! Also nix wie runter an die „Plaza de Armas“. Hier ist eine Tribüne aufgebaut auf der viele wichtig aussehende, meist uniformierte Leute sitzen und dem Umzug rund um die Plaza zukucken. Wir werden allerdings mal wieder nicht ganz schlau draus, wofür der Umzug genau ist. Es laufen viele Leute mit Plakaten für Krankenhäuser mit. Außerdem sehr viele Behinderte, meist mit Down-Syndrom. Eine Militärkapelle spielt dazu immer das gleiche Lied… Wir laufen noch ein bisschen durch die Straßen, gehen im „Bagdad Café“ eine Kleinigkeit essen und dann ins Hostel um noch bissle Bilder zu sortieren und eMails zu schreiben. Da es morgens früh losgeht, gehen wir auch früh schlafen. Vorher packen wir noch alles was wir für den Trek brauchen in den kleineren Rucksack, wir dürfen zusammen max. 10 kg mitnehmen. Der leere Rucksack wiegt alleine schon 3 kg…

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Um 4:30 h sind wir startbereit, unser restliches Gepäck ist sicher im Hostel verstaut und von der Rezeptionistin alles fein säuberlich notiert, damit auch nix wegkommt. Der Guide ist auch pünktlich. Allerdings ist es ein anderer als der, der am Samstag das Briefing gemacht hat?! Naja. Wir holen noch eine weitere Person in der Nähe ab und laufen dann zum Bus. Als der Bus immer voller und voller wird, befürchten wir schon das schlimmste! Denn eigentlich sind pro Guide max. 11 Personen zugelassen, soweit wir wissen. Nach ca. 2 h Fahrt kommen wir in Mollepata auf 2900 m an, wo wir frühstücken und unser Gepäck für die Mulis fertigmachen. Hier kommen auch der „Horseman“ Clever, und die beiden Köche Damian und Heronimo dazu. Zum Glück stellt sich heraus, dass im Bus zwei Gruppen mitgefahren sind. Wir sind 11 Leute aus 8 Nationen in unserer Gruppe: Helen aus Kanada, Amy aus England, Maaike und Jeroen aus Holland, Keila und Rodrigo aus Brasilien, Katia aus der Schweiz, Sandrine aus Belgien, German aus Argentinien und wir zwei natürlich. Unser Guide heißt Roily, kurz Roy, und er fordert uns auf, erst mal einen Namen für unsere Gruppe zu finden. Wir entscheiden uns für „Wild Group“, da der Pass über den wir laufen werden „Salkantay“ heißt, auf deutsch „Wilder Berg“. Da das Wetter super ist, empfiehlt uns Roy, dass wir mit dem LKW der das Gepäck bis zum ersten Nachtlager transportiert, hinten auf der Ladefläche ein Stück weit mitfahren um dann einen alternativen Weg durch die Berge und nicht entlang der Straße zu nehmen. Das wird die erste „Group-Decision“, alle sind einverstanden. Die 5 Mulis, die das Gepäck ab dem zweiten Tag tragen werden, werden vor dem Auto hergescheucht… Dann heißt es auch für uns: Laufen! Zuerst geht es ziemlich hoch und wir schnaufen alle ganz schön schwer hinter Roy her! Als wir nach ca. 30 min das erste Mal Pause (O-Ton Roy: „Okay, lazy time!“) machen, fällt uns auf, dass zwei fehlen: die beiden Brasilianer! Sie brauchen fast doppelt so lang wie wir anderen und haben dann auch fast keine Pause, weil wir gleich weiterlaufen… Unterwegs werden wir von nervigen Sandfliegen belästigt, die sich trotz Insekten-Spray auf uns stürzen. Bevorzugt am Sockenbund, wo sich Schweiß sammelt und wir nicht schnell genug hinschlagen können! Nach kurzer Zeit sind wir total verstochen. Um 14:30 Uhr bekommen wir ein leckeres Mittagessen serviert. Es gibt Suppe und dann Papas Fritas und ein Fleisch-Zwiebel-Tomaten-Gemisch. Wir haben echt gute Köche dabei! Von hier können wir auch schon das Camp sehen, unterhalb des schneebedeckten Salkantay. Bis dorthin sind es nochmal zwei Stunden zu laufen, nun an der Straße entlang. Total kaputt kommen wir um ca. 17:00 Uhr in Soraypampa an, die Zelte sind in einem Unterstand schon aufgebaut und es wartet ein heißer Kaffee oder Tee auf uns und – Popcorn! Sobald die Sonne weg ist, wird es hier auf ca. 3850 m bitterkalt und der Wind bläst ganz schön vom Gletscher herunter! Deshalb gibt es nach dem Abendessen (erst Suppe, dann Gemüse, Hähnchenschlegel und Reis) niemanden mehr der aufbleiben will und wir verziehen uns alle in unsere Zelte. Zum Zähneputzen gibt es nur einen Wasserhahn aus dem eiskaltes Quellwasser kommt. Aber wir können natürlich nicht schlafen gehen, ohne vorher noch die Milchstraße und die vielen Sterne bewundert zu haben! Da es keine störenden Lichtquellen gibt, hat man hier eine hervorragende Sicht auf den Sternenhimmel! Dick eingemummelt versuchen wir zu schlafen, was theoretisch kein Problem gewesen wäre, aber ein Hund beginnt genau jetzt zu bellen, von weit entfernt antwortet ein anderer… und so geht es die ganze Nacht!

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Nach der unruhigen Nacht müssen wir uns am nächsten Morgen wecken lassen. Um 5:00 Uhr würden wir freiwillig auch nicht aufstehen! Wir bekommen gleich einen heißen „Mate de Coca“, einen Coca-Tee ans Zelt serviert. Dieser ist gut gegen die Höhenkrankheit, mit der wir aber bisher keine Probleme haben. Aber wir sind nun auch schon fast 3 Wochen fast ständig über 3000 m, manchmal sogar länger auf 4000 m gewesen. Von daher sind wir ziemlich gut akklimatisiert! Heute ist der härteste Tag des Treks, wir wandern zuerst 4 h immer bergauf, bis auf 4700 m. Wir hätten uns theoretisch auch ein Muli mieten können, dass uns hochträgt. Aber aus unserer Gruppe haben das Angebot nur die zwei Brasilianer angenommen, aus der anderen Gruppe reiten fast alle, darunter sogar die „sportlich“ aussehenden! Ab heute übernehmen die Mulis den Transport unseres Gepäcks (zumindest 5 kg p. P.), da es keinerlei Straßen gibt. Sie werden beladen, nachdem wir schon losgelaufen sind. Nach ca. 3 h strammen Laufens werden wir dann von den Mulis und „Horseman“ Clever und den beiden Köchen überholt. Sie werden ohne größere Pause bis zum nächsten Camp durchlaufen und dort schon die Zelte aufbauen und anfangen zu kochen. Echt wahnsinnig! Roy erklärt uns, dass die Peruaner zwar klein sind, wegen des Kalziummangels im Essen, dafür haben sie eine breite Brust und eine große Lunge, aber vor allem haben sie eines: ein großes Herz! ;-) Oben am Gipfel machen wir an einem Steinhaufen ein „Opferungsritual“ wie früher die Inkas. Wir opfern nur Coca-Blätter, aber eigentlich hätten wir alle gerne den Bell-Hund von letzter Nacht geopfert! Von hier aus geht es nochmal 2 h abwärts bis zum Mittagessen, diesmal gibt es Suppe und Spaghetti mit Tomatensoße. Während des Essens ziehen dunkle Wolken auf und es wird ganz schön kalt. Deshalb machen wir uns gleich auf zum Camp für diese Nacht. Nach 20 min. Bergablaufen ändert sich plötzlich, wie von Roy angekündigt, die Vegetation und wir sind im Regenwald. Schlagartig wird es feucht-heiß und die Sonne scheint auch wieder. Hier fühlen sich auch die Moskitos wohl! Kaum bleibt man stehen geht das Gepiekse los… Nach weiteren 3 h und insgesamt anstrengenden 21 km kommen wir in Challway an. Wir richten uns wieder gemütlich im Zelt ein, diesmal läuft kein Hund rum, dafür aber ein Schwein… Das Klo ist eher ein Plumpsklo, die Spülung ein Eimer Wasser vom Brunnen außerhalb und eine Dusche gibt’s immer noch nicht. Nach Tee, Kaffee und Popcorn erklärt uns Roy das (Sauf-)Kartenspiel „Nervous“. Es wird ziemlich lustig und laut! Zum Abendessen gibt es dieses mal eine Art Schnitzel, Gemüse, Reis und Papas Fritas. Unser Koch Damian spielt uns auf der Flöte, bzw. es ist eher ein abgesägtes Eisenrohr, ein paar peruanische Melodien zur Unterhaltung. Im Anschluss spielen noch eine Weile „Nervous“ weiter, während bei der anderen Gruppe auf dem Zeltplatz nebenan schon lange alle Lichter aus sind!

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Am Morgen werden wir um 6:00 Uhr von einer Nebelsuppe begrüßt. Während des Frühstücks fängt es auch noch an zu regnen! Die anderen ziehen ihre Ponchos über, wir haben keine, geht aber auch so. Roy tauft uns um in „Wild Poncho Group“. Wir laufen durch den Matsch und müssen öfter mal kleinere Bäche und einen Wasserfall überqueren. Diesmal wandern wir nur bis mittags und fahren dann mit dem Minibus noch ca. 10 min. zum Mittagessen nach Playa Sahuayaco. Hier gibt es ein Fußballfeld und je 5 von beiden Gruppen spielen gegeneinander. Dann gibt wieder eine Suppe, Hähnchen, Gemüse und Reis. Von hier fahren wir mit dem Bus ca. 1 ½ h bis nach Santa Theresa zu unserem Nachtquartier. Nach einer kurzen Tee-Pause starten wir zu den heißen Quellen ein paar km weiter . Sehr entspannend nach dem vielen Wandern die letzten Tage! :-) Es gibt zwei heiße Becken und ein eiskaltes. Roy führt auch hier eine „Group-Decision“ ein. Diese heißt: alle 5 Minuten muss die ganze Wild-Group einmal ins kalte Wasser! Und keiner kneift. Sogar die beiden Brasilianer sind nach anfänglichem Zögern mit dabei! Abends kochen unsere Leib-Köche das letzte leckere Abendessen. Außerdem steht eine neue „Group Decision“ an: Wollen wir am nächsten Morgen 3 h wandern bis zur nächsten Station oder wollen wir mit dem Bus dorthin fahren? Roy meint, dass der Weg nicht sonderlich schön ist, weil er nur an der Straße entlang führt. Einstimmige Entscheidung: Wir fahren mit dem Bus. :-) Damit ist der Weg frei für: Party!!! Es gibt ein Lagerfeuer mit Bänken außen rum, Musik, Lichtorgel, dazu Pisco Sour und andere alkoholhaltige Getränke. Es wird ein lustiger Abend, bis wir um Mitternacht hundemüde ins Zelt kriechen.

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Heute heißt es ausschlafen – wir werden erst um 7:00 Uhr geweckt! Zum letzten Frühstück gibt es heute außer dem Üblichen noch eine Überraschung von den Köchen: Einen Kuchen! Klar, heute gibt’s auch Trinkgeld zum Abschied. ;-) Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Damian und Heronimo. Laut Roy ist es üblich eine „Speech“ (Rede) auf die Köche zu halten, wofür sich Amy bereit erklärt. Gut gestärkt steigen wir in den Bus und fahren los. Die Straße ist gerade so breit, dass zwei Minibusse aneinander vorbeipassen und auf der einen Seite geht es einen steilen Abhang runter. Nach ca. 30 min. ist allerdings ein unplanmäßiger Stopp angesagt: Durch den Regen in der vergangenen Nacht hat es einen Erdrutsch gegeben, bzw. es sind riesengroße Felsbrocken auf die Straße gestürzt. Aber es ist schon ein Bagger da, der aufräumt, bzw. in dem Fall die Brocken einfach von der Straße den Abhang auf der anderen Seite runterschiebt. Wir steigen alle aus und machen Fotos, plötzlich rumpelt und kracht es gewaltig: Es stürzen noch mehr große Felsbrocken auf die Straße und fast kommt Panik auf, als alle wegrennen und die Autos rückwärts aus dem Gefahrenbereich fahren. Wer weiß, wie viel noch runterkommt! Das ist ganz schön gefährlich. Vor allem auch für den Baggerfahrer! Da die Straße nun wohl noch länger gesperrt sein wird, müssen wir doch laufen. Zuerst geht es im Zick-Zack den steilen Abhang runter, dann in Richtung Fluss. Dort gibt es eine Art Seilbahn mit einem Korb, an dem man sich durch eigene Kraft selbst über den Fluss ziehen kann. Jeweils zu zweit sitzen wir in den Korb und überqueren den Fluss. Das macht echt Laune. Als schließlich alle auf der anderen Seite angekommen sind, laufen wir los, die Straße entlang, bis uns der Minibus, der ein ganzes Stück Umweg gefahren ist, wieder aufsammelt. Wir fahren bis zu einem Ort namens „Hydroelectric“, hier müssen wir unsere Tickets und unsere Pässe zeigen. Dann laufen wir los, immer den Schienen der Eisenbahnstrecke entlang nach Aguas Calientes, d. h. zur Ausgangsbasis zum Machu Picchu. Im Endeffekt laufen wir einmal im Tal um Machu Picchu herum. Wir sehen von unten schon das am höchsten stehende Gebäude, das Wärterhäuschen. Roy erzählt uns, dass der Name aus der Quechua-Sprache kommt und fragt uns dann der Reihe nach, wie wir denn Machu Picchu aussprechen würden. Hm? Naja. „Matschu Pitschu“ halt. Er grinst sich eins und erklärt uns dann, dass das was wir da gerade alle gesagt haben, übersetzt „alter Penis“ bedeutet! Ups! Korrekt wäre „Matschu Piktschu“ (also mit dem k dazwischen), was dann übersetzt „alter Gipfel“ heißt. Na, wie gut, dass er uns das nach 4 Tagen „Matschu Pitschu“ dann auch mal sagt! ;-) Nach ca. 2 h Fußmarsch machen wir Mittagspause und essen unsere Lunchbox (Nudeln, Reis und Ei), dann geht es nochmal ca. 2 h weiter bis nach Aguas Calientes. Hier beziehen wir unser Hostel und schlafen erschöpft direkt mal 1 ½ h. Vorher haben wir unser Gepäck sowieso noch nicht. Das wird mit dem Zug mitgebracht. Als wir dann unser Zeugs am Bahnhof geholt haben, wollen wir duschen. Aber es kommt nur kaltes Wasser aus dem Hahn. Und das in einem Ort der übersetzt „heißes Wasser“ heißt. Sowas! Nachdem wir dreimal nachgefragt haben, schaltet der Hostelbesitzer netterweise die Gasheizung auf dem Dach ein und wir haben schönes heißes Wasser zum Duschen! Wir fühlen uns wie neugeboren und treffen uns mit den anderen zum Abendessen in einem Restaurant, wo wir zwischen Rind, Schwein oder Fisch wählen können. Hier kommen zwei deutsche Mädels zu unserer Gruppe hinzu, Anna und Mascha, sie haben eine etwas andere Tour gemacht und gehen am nächsten Tag aber mit uns mit. Da es am nächsten Morgen gaaaaanz früh losgeht in Richtung Machu Picchu kaufen wir noch ein bisschen Proviant und gehen dann schlafen.

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Um 4:00 Uhr klingelt der Wecker. Ausgeschlafen ist was anderes! Um 4:25 Uhr soll es losgehen. Alle sind startklar, aber die zwei „neuen“ Mädels kommen zu spät. Nicht gerade typisch deutsch und absolut nicht „Wild Group“-würdig! Wir warten nicht, sondern machen uns auf den Weg. Zuerst geht es 30 min. flach bis zu einer Brücke. Hier müssen wir nochmal unser Ticket zeigen und dann geht es die Stufen eines alten Inka-Pfads hoch. Zwischenzeitlich fängt es noch an zu regnen. Und die Stufen sind riesig. Wir fragen uns, warum die Inkas so große Stufen gemacht haben, wo sie doch eher klein waren… Nach ca. 1 ½ h Aufstieg kommen wir ziemlich durchgeschwitzt und nassgeregnet oben an. Die zwei Brasilianer und Roy sind mit dem ersten Bus hochgefahren. Um 6:00 Uhr gehen die Tore auf. Wir müssen nochmal die Pässe zeigen und dann bekommen wir eine Führung von Roy mit vielen Infos zu den verschiedenen Gebäuden und der Inka-Kultur überhaupt. Wir besuchen Machu Picchu genau 100 Jahre nach der Wiederentdeckung im Jahre 1911 durch den Amerikaner Hiram Bingham. Machu Picchu wurde im 15. Jahrhundert auf 2360 m, oberhalb des Urubamba-Tals von den Inkas gebaut. Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten, die auf Terrassen gelegen und durch Treppen verbunden waren. Es wird angenommen, dass bis zu 1000 Menschen hier gleichzeitig gelebt haben. Es ist bis heute nicht wissenschaftlich geklärt, welchen Zweck Machu Picchu genau hatte. Die wahrscheinlichste Theorie ist es, dass es sich um eine Zufluchtstätte der Inkas gehandelt haben könnte. Es gibt drei verschiedene Bauarten bei denen die Steine jeweils ohne Mörtel zusammengefügt wurden: der einfache „Prä-Inka-Style“, der etwas aufwendigere „Inka-Style“ und für die Tempel den perfekten „Imperial-Style“. Leider sind um 6:00 Uhr schon so viele Leute oben, dass Bilder ohne Touris quasi nicht möglich sind. Es regnet immer noch und ist sehr bewölkt, so dass man die Berge außen rum und Teile von Machu Picchu gar nicht sehen kann. So ein Mist! Aber um 9:00 Uhr ungefähr hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft und es wird dämpfig schwül. Wir kucken uns zusammen mit Maaike und Jeroen noch die Ruinen an und machen ein bisschen Pause an einem tollen Aussichtspunkt. Dann laufen wir zum Eingang zum Wayna Picchu, übersetzt „junger Gipfel“. Dies ist der Berg hinter dem Machu Picchu. Hier dürfen morgens zwischen 7:00 und 8:00 Uhr 200 Leute hoch und zwischen 10:00 und 11:00 Uhr nochmal 200. Wir haben zum Glück Tickets für die zweite Runde, jetzt ist nämlich richtig tolles Wetter und man sieht auch die Berge! Aber vor dem tollen Ausblick heißt es nochmal 30 min. Treppensteigen, ca. 300 Höhenmeter. Wir können jetzt bald keine Treppen mehr sehen! Aber es lohnt sich. Von hier oben sieht man gut, wie hoch Machu Picchu eingebettet im Urubamba-Tal liegt. Als wir genug gesehen haben, machen wir uns wieder an den nicht ganz ungefährlichen steilen Abstieg. Unten angekommen brauchen wir zuerst eine Pause. Wir legen uns auf eine der Terrassen mit super Aussicht auf die Ruinen und machen ein kleines, erholsames Mittagsschläfchen… Danach haben wir wieder genug Energie um noch die Wanderung zum Sun Gate (Sonnentor) zu machen. Von hier aus hat man einen tollen Überblick. Nochmal 30 min eine Strecke. Es ist quasi das letzte Stück des Inka-Trails, früher war das der einzige Zugang nach Machu Picchu. Als wir oben ankommen ist die Sonne leider schon hinter den Bergen verschwunden. Denken wir. Aber als wir kurz warten, kommt die Sonne nochmal zurück und „erleuchtet“ Machu Picchu. Sieht echt super aus! Dann laufen wir zurück und fahren mit dem Bus nach Aguas Calientes. Hier treffen wir wieder die anderen, essen zusammen noch eine Kleinigkeit und gehen dann zum Bahnhof um den Zug nach Ollantaytambo zu nehmen. Zwei Stunden geht die Zugfahrt und da Aguas Calientes nicht mit dem Auto zu erreichen ist, sondern nur per Zug ist die Fahrt dementsprechend teuer: 35 $ für eine Strecke. Dafür gibt’s in jedem Waggon einen Kellner, der heiße oder kalte Getränke reicht und ein paar Snacks. Nun ja. Von Ollantaytambo geht es dann per Bus nach Cusco zurück, d. h. nochmal 2 ½ h Busfahrt über Holperstraßen! :-( Wir versuchen ein bisschen zu schlafen. Kurz vor Cusco will Florian den Arm um Liane legen, die hebt aber grade den Kopf und dabei schaffen wir es tatsächlich, dass Lianes Brille kaputt geht. So ein Mist! Das Glas ist voll durch. Naja, zum Aufregen sind wir zu müde… und als wir endlich in Cusco sind wollen wir nur noch schlafen. Nach 83 km zu Fuß zurückgelegter Gesamtdistanz wohl auch kein Wunder!!!

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Nach den anstrengenden letzten Tagen ist heute ein Ruhetag angesagt. Ausschlafen. Frühstücken. eMails beantworten. Kaffee trinken an der Plaza de Armas und Leute beobachten. Außerdem müssen wir noch Lianes Brille reparieren lassen! Unglaublicherweise können wir die Brille mit einem neuen Glas in perfekter Sehstärke 4 Stunden später schon abholen und das zu dem Hammer-Preis von 15 €! Mit James haben wir am Abend noch eine kleine Diskussion. Er hatte nicht mit offenen Karten gespielt. Sein „Freund“ hat die Tour selbst gar nicht durchgeführt, sondern war nur Vermittler. So blieb jetzt bei jedem „Zwischenhändler“ etwas hängen. Wir wollten ja aber, dass unser Geld direkt denen zugutekommt, die auch die ganze Arbeit mit uns hatten auf dem Trek, also vor allem den Köchen, dem Horseman und dem Guide! Da wir aber nur im Kreis herumdiskutieren, lassen wir es dann irgendwann gut sein.

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Heute machen wir uns dann doch noch auf, die Stadt ein bisschen genauer anzukucken. Allerdings besichtigen wir die Kirchen nur von außen, da unverschämt viel Eintritt verlangt wird. Bei der Plaza de Armas ist eine kleine Prozession, bei der eine Heiligen-Statue zur Kathedrale getragen wird. Die Träger bekommen zwischendurch alle mal einen Schnaps verabreicht, evtl. ist das der Lohn!? Hier gibt es auch einige Bettler, die vor allem vor den Kirchen sitzen. Dazu gibt es noch, was wir „spontane Bettler“ nennen, die laufen ganz normal durch die Straße und sobald sie einen Touri sehen, ziehen sie einfach die Mütze vom Kopf und halten sie hin. Abends treffen wir uns mit dem verbliebenen Rest der „Wild-Group“ der noch in Cusco ist. Roy ist auch mit dabei und sogar seine Freundin kommt dazu. Es wird ein lustiger Abend im „Café Trotamundos“, mit einigen Pisco Sour. Roy ist immer noch ganz hin und weg von unserer tollen Gruppe und meint, so einen Zusammenhalt hat er bisher noch nie erlebt!

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Heute gibt’s kein Frühstück im Hotel, wir haben uns mit Maaike und Jeroen im Café Trotamundos verabredet. Amy kommt auch noch vorbei. Maaike erzählt, dass sie festgestellt haben, dass auf allen Bildern die sie von Machu Picchu gemacht haben, ein Moskito auf der Linse war! Wir lachen uns fast kaputt, als wir die Fotos sehen und bieten den beiden natürlich gleich an, dass sie von uns Moskito-freie Bilder bekommen können… Nach dem späten Frühstück schleppen uns Maaike und Jeroen mit ins Casino. Hier gibt es noch die alten einarmigen Banditen für umgerechnet 3 €-Cent das Spiel. Mit 2 € können wir fast zwei Stunden zocken. Außerdem bringen einem Kellnerinnen unaufgefordert Desserts oder Getränke vorbei um einen bei Laune zu halten! Am späten Abend fährt unser Bus nach Arequipa, wir haben uns Liegesessel gegönnt, der Spaß geht nämlich mal wieder 10 h. Dieses Mal gibt’s sogar ein kleines Abendessen im Bus. Mit Schlafen wird’s allerdings die erste Hälfte nix, da der Bus über ziemlich schlechte, kurvige Straßen rumpelt…

Hier das ganze Album:

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